Das IPsec-Protokoll ist ein "Ableger"
der IPv6-Arbeitsgruppe der IETF (Internet
Engineering Task Force).
Bei der Entwicklung von IPv6 waren sich alle Beteiligten darin einig, dass eine
sichere Datenübertragung wichtig für den Erfolg des Internets und
damit auch des neuen Protokolles sein würde. Während der Entwicklung
der "IPv6-Sicherheitsprotokolles" erkannte man jedoch - nicht zuletzt
auch aufgrund des Marktdrucks - dass Sicherheit nicht nur ein Bestandteil des
neuen IP-Protokolles sein dürfe. Daraufhin verlagerte man diesse Aktivitäten
in eine eigene Arbeitsgruppe der IETF, die IPsec (IP Security), die ihre Aktivitäten
unabhängig der IP-Version vorantrieb. So ist IPsec nicht nur für IPv6,
sondern - vor allem - für das "alte" IP-Protokoll (Version 4)
verfügbar.
Mit IPsec existiert nun ein Standard, der den Aufbau von sicheren IP-Verbindungen
(z.B. VPN-Verbindungen) ermöglicht.
IPsec beinhaltet vier wichtige Sicherheitsfunktionen:
IPsec unterstützt (bisher) keine Broadcasts und kein dynamisches Routing. Auch die Überprüfung der Existenz eines VPN-Tunnels (Alive Pakete) ist bisher nocht nicht zufriedenstellend standardisiert.
Die Verschlüsselung erfolgt
über die sog. ESP (Encapsulation Security Payload) und
unterstützt prinzipiell alle verfügbaren Verschlüsselungsalgorithmen
(s.u.).
IPsec kennt zwei Betriebsmodi: Der Transportmodus und den Tunnelmodus.
Im Transportmodus wird ausschließlich der Datenteil (Nutzdaten/ "Payload") des IP-Paketes verschlüsselt. Alle anderen Teile der Nachricht (also im Prinzip der IP-Header) bleiben unverändert. Den Nutzdaten wird nur der ESP-Header vorangestellt. Dieses Verfahren wird zur Übertragung von kritischen Informationen (z.B. Passwords) verwendet.
Im Tunnelmodus wird das
komplette IP-Paket vor der Übertragung verschlüsselt und mit einem neuen IP-Header
versehen, der die Daten für das Ziel-Gateway enthält. Auf diese Weise können
transparente Verbindungen zwischen zwei Firmenstandorten über das Internet
hergestellt werden oder ein einzelner Rechner (z.B. Notebook) über ein
öffentliches (IP-)Netzwerk mit einem Firmennetz verbunden werden. Man spricht
in beiden Fällen von einem sog. VPN.
Das Paket hat dann folgendes Aussehen
(rot = verschlüsselt):
[IP-Header (neu)] - [ESP-Header] - [IP Header (Orginal)] - [Daten] - [ESP-Trailer]
Die zentralen Funktionen in der IPsec-Architektur sind das AH-Protokoll (Authentification Header), das ESP-Protokoll (Encapsulating Security Payload) und die Schlüsselverwaltung (Key Management).
Das AH-Protokoll sorgt für die Authentisierung
der zu übertragenen Daten und Protokollinformationen. AH wird zum Schutz der
Paketintegrität und der Paketauthentizität eingesetzt. Die Erfolgt
über ein Hashing-Verfahren (MD5 und SHA). Da der äußere IP-Header
in die Hashprüfung mit einbezogen wird, ist auf AH-Pakete keine Art von
NAT anwendbar.
Im
AH-Paket befindet sich, neben verschiedenen anderen Feldern, der Security
Profile Index (SPI) und eine Sequenznummer. Diese Sequenznummer kann
zum Schutz vor Replay-Attacks verwendet werden.
AH nutzt die IP-Protokoll-Nummer 51.
Das
AH-Protokoll kann sowohl im Transport-, als auch im Tunnelmodus eingesetzt werden.
Das ESP-Protokoll dient der Verschlüsselung
eines Datenpaketes und über Hashing-Verfahren auch zur Integritätssicherung.
Zur Verschlüsselung können beliebige Encryption-Verfahren eingesetzt
werden. Allerdings muss DES unterstützt werden (in der Praxis wird meistens
auch 3DES implementiert). Als Hashing-Verfahren müssen MD5-96 und SHA-96
verfügbar sein.
Im ESP-Header befindet sich - vergleichbar mit dem AH-Paket - der Security Profile
Index (SPI) und eine Sequenznummer!
ESP nutzt die IP-Protokoll-Nummer 50.
Zur Schlüsselverwaltung gibt es zwei
Wege, um die Verwaltung und Verteilung der Schlüssel durchzuführen. Neben der
reinen - heute nicht mehr sehr gebräuchlichen - manuellen Schlüsselverwaltung,
kann auch das Internet Key Exchange Protocol (IKE) eingesetzt
werden. Um eine gesicherte Verbindung zwischen zwei Stationen aufbauen zu können,
müssen auf beiden Seiten viele Parameter ausgetauscht werden: Art der gesicherten
Übertragung (Authentisierung oder Verschlüsselung), Verschlüsselungsalgorithmus,
"Schlüssel", Dauer der Gültigkeit der Schlüssel etc. Alle diese Parameter werden
in der Security Association (SA) beschrieben. Jede gesicherte
Verbindung bedarf einer solcher SA für jedes genutzte IPsec-Protokoll an jedem
Ende einer logischen Verbindung.
Die IKE Mainmethode unterstützt keine dynamischen IP-Adressen und
keine Art von NAT! Für solche Fälle
muss die IKE Aggressive Methode eingesetzt werden, bei der ein Angreifer
den Initiator einer Verbindung feststellen kann.
IKE nutzt den UDP-Port 500.
Neben IPsec werden auch noch andere Protokolle zum Aufbau von VPNs genutzt - weitere Infos finden Sie auf meiner Seite über Tunneling Protokolle.
| RFC 2401 | IPsec Architektur |
| RFC 2402 | IP Authentication Header (AH) |
| RFC 2403 | AH mit MD5-96 |
| RFC 2404 | AH mit SHA-1-96 |
| RFC 2405 | ESP mit DES-CBC |
| RFC 2406 | Encapsulation Security Payload (ESP) |
| RFC 2408 | ISAKMP |
| RFC 2409 | Internet Key Exchange (IKE) |
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(Diese
Seite wurde am 28.4.2002 erstellt, |